#4 Fahrräder in Owerri angekommen / Father Gerald zurück in Nigeria

Schwester Celine sowie Cynthia und Obinna freuen sich über ihre Fahrräder aus Bayern – Thema des neuen Rundbriefs!

Mit Elan zurück in die Heimat

Der Juli-Aufenthalt von Father Gerald hat neben der Urlaubsvertretung in der ihm so ans Herz gewachsenen Mittenwalder Gemeinde auch viel Neues für sein Hilfsprojekt gebracht.
Vor allem aber Unterstützung: Mit insgesamt
€ 3.000,- konnte er zurückkehren in die Heimat, wo nun viel Arbeit auf ihn wartet. Ein Team zum Einrichten der Nähwerkstatt ist zu bilden, ein provisorischer Raum zu finden, erste Bewerber für die Schneiderei werden sich vorstellen. Es wird also ein wenig dauern, bis wir Neuigkeiten aus Owerri hören.
Derweil wird bei uns über eine andere Facette des Projekts weiter nachgedacht: Im Januar sind mit einem Schiffscontainer unter anderem etliche Fahrräder nach Nigeria gereist. Junge Leute können nun einfacher zur Arbeit kommen und Ordensschwestern zu den von ihnen Betreuten.
Andererseits hat es mit den gebrauchten Rädern schon nach kurzer Zeit Reparaturprobleme gegeben: Werkzeuge und Ersatzteile fehlen. So ist nach wenigen Wochen der Wunsch Richtung Deutschland gedrungen, ob man nicht eine Fahrradwerkstatt zusammenstellen könne. Am besten in einem Container, der als Lager und Arbeitsort in einem zu nutzen sei.

Lernen von Vorbildern

Bald schon war recherchiert, dass es für solch eine Hilfsmaßnahme bereits Vorbilder gibt. Der in Rommerskirchen bei Dormagen angesiedelte Verein NEIA e.V. (Nachhaltige Entwicklung in Afrika) arbeitet zusammen mit der von einem Australier gegründeten Organisation BEN Namibia (Bicycling Empowerment Network Namibia), die seit 2002 bereits 34 Fahrradwerkstätten über Namibia verteilt hat. Weiter gibt es den im sächsischen Oschatz beheimateten Verein „Fahrräder für Afrika“, der seit 2010 kontinuierlich afrikanische Länder mit gespendeten Fahrrädern und Ersatzteilen beschickt.
Doch eine Anleitung samt Einkaufszettel für die Ausstattung einer mobilen Fahrradwerkstatt ist von den einzelnen Initiativen nicht zu erhalten. Geschickt wird, was gerade gebraucht wird, und seien es für Krankentransporte mit Bahren ausgestattete Radfuhrwerke.
Eine weitere Recherche zeigt, mit wessen Hilfe ein Transport bewerkstelligt werden kann: Bei der dem Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) angegliederten Serviceeinrichtung „Engagement Global“ kann man einen Transportkostenzuschuss von bis zu 75% beantragen, Zoll jedoch nicht eingeschlossen. Die Kirche hätte hier ihre Einfuhrzollbefreiung nachzuweisen.
Um weitere bürokratische Einzelheiten zu erfahren, besteht inzwischen ein Kontakt mit dem Münchner Verein „Adigrat Vision e.V.“, der seit acht Jahren im Norden Äthiopiens Kinder betreuen lässt und derzeit die ausgediente Einrichtung zweier Münchner Gymnasien dorthin schickt, um eine Bibliothek aufzubauen.

Gemeinsamkeit von Brillen und Rädern

Fragt man sich weiter, was allein an Ersatzteilen mit solch einer mobilen Werkstatt mitzuschicken wäre, dann erinnert man sich rasch: Im ersten Container war eine bunte Mischung, vom Kinderflitzer übers Mountainbike bis hin zu Mutters altem Drahtesel.
Dass aber den Anfang einer erfolgreichen Entwicklung besser ein simples Einheitsmodell macht, das zeigt eindrucksvoll die Ein-Dollar-Brille, mit der Martin Aufmuth seit 2010 schon ca. 100.000 Menschen zu einer besseren Sicht verholfen hat. Die geniale Idee des einstigen Mathelehrers, ein Montageset aus Draht, Gläsern, Schrumpfschlauch und Glasperlen zu bilden, ist vielfach prämiert worden.
Ein einfaches Modell, leicht zusammenbaubar und so auch für Reparaturzwecke gut durchschaubar, das wäre auch bei Fahrrädern sinnvoll. Übertragen entstand so die folgende Idee: Zu suchen wäre die Zusammenarbeit mit einer größeren Firma, bei der es ein einheitliches Modell einfacher Werksräder gäbe. Hätte diese Firma auch einen werkseigenen Reparaturservice, so könnte man dessen Werkstatt in seiner Grundausstattung kopieren und auf einen Container übertragen, um ihn auszubauen. Orientiert am Werksrad könnte man einen Fahrrad-Bausatz entwickeln, dessen Funktionen auf ein notwendiges Minimum reduziert wären. Und für das so entstandene Einheitsrad, welches in Bausätzen und als Ersatzteillager mit dem Container mitgeschickt werden könnte, wären dann „Radl-Patenschaften“ anzubieten, so wie vom Teilprojekt Nähwerkstatt schon bekannt.
Die sinnvolle Entwicklung einer Fahrradwerkstatt für Owerri hätte schließlich auch noch ein Konzept einzuschließen, nach dem vor Ort Mechaniker geschult werden könnten, die mit dem erhaltenen Equipment auch umzugehen wüssten. Ein komplexes Projekt also!

Das Rad neu erfinden?

Die Ideen gibt es freilich so ähnlich auch alle bereits bei der internationalen Hilfsorganisation WBR (World Bicycle Relief), die ihrerseits ein Einheitsrad, das „Buffalo“, entwickelt hat. Als Spender kann man das praktische robuste Rad für € 134,- für einen Anwärter in Afrika erwerben. Für € 20,- gibt es einen Satz Laufräder und für € 40,- ein Werkzeugset.
Das einzige Problem für uns besteht darin, dass Nigeria leider nicht zu den derzeit belieferten acht afrikanischen Ländern zählt. Ein ausführliches Telefonat hat gezeigt, dass lediglich eine Einzelsendung über WBR organisiert werden könnte. Hierbei allerdings müsste es sich um eine volle Containerladung mit 220 Rädern handeln, d.h. es müsste eine Spendensumme in Höhe von ca. € 30.000,- aufgebracht werden!
Wie mit der Bitte aus Owerri umgegangen werden kann, ist derzeit also noch völlig offen.

Wir sind dankbar für jeden, der mit nachdenkt

am MI, 12. 9. 18, 19 Uhr, im „Werkraum“
in der Christianstr. 8, 82377 Penzberg.