#1: Hilfsprojekt Owerri

Was hat ein Hilfsprojekt in Nigeria mit dem „Unterstützerkreis Penzberg Asyl“ zu tun?

Nigerianische Flüchtlinge bei uns

Seit Beginn des Jahres 2017 gibt es in Penzberg die große Flüchtlingsunterkunft in der Nonnenwaldstraße. Junge Nigerianer machen dort die größte Gruppe der Bewohner aus.
In Sprachkursen und durch unsere Patenarbeit haben wir viele von ihnen nah kennengelernt. Und wir haben viel erfahren über die Probleme des Landes, aus dem sie kommen. Die wenigsten von ihnen haben direkt den Weg nach Europa gesucht. Viele von ihnen haben einfach nur ihr Land verlassen, um Elend und Unsicherheit zu entkommen.
Doch ganz gleich, ob sie in Afrika umherwandern oder in Europa anlanden: Eine Flucht aus dem Heimatland kann die Lösung der Probleme dort nicht sein. Was kann auch auf unterster Ebene getan werden, um einem Herkunftsland dazu zu verhelfen, dass Menschen in ihrer Hei-mat bleiben können? Das war unsere Frage.

Father Geralds Aufgabe

Der Zufall kam uns zur Hilfe. Nicht weit entfernt, in Mittenwald, hat in den vergangenen Jahren Father Gerald aus Nigeria den dortigen Pfarrer unterstützt. Ende 2017 wurde er in seine Heimat zurückbeordert.
Als junger Theologe kam er nach Deutschland, wirkte in verschiedenen Pfarreien und promovierte in München. Jetzt hat ihn sein Erzbischof Anthony Obinna von Owerri zum neuen „Direktor der Kommission für Gerechtigkeit, Entwicklung, Frieden und Caritas“ gemacht. Im Februar ist Dr. Gerald Njoku in Owerri angekommen und will dort nun ein Entwicklungshilfeprojekt starten. Hier gab es einen guten Kontakt, an den wir anknüpfen konnten.
Doch nach 15 Jahren Abwesenheit erweist sich auch für ihn der Anfang als schwer. Wohin ist er zurückgekommen?

Nigeria – ein junger Staat

Das westafrikanische Land ist etwa zweieinhalbmal so groß wie die Bundesrepublik Deutschland. Der von den Briten während der Kolonialzeit künstlich geschaffene Staat besteht aus vielen Volksgruppen.
Die 180 Mio. Menschen sprechen mehr als 500 Sprachen, daneben die Amtssprache Englisch. 1960 unabhängig geworden, ringt man seit etwa 20 Jahren um eine demokratische Ordnung. Die Regierung aber besteht aus den muslimischen Hausa. Die Yoruba, Igbo und viele andere Gruppen fühlen sich von ihnen beherrscht, die Christen unter ihnen fühlen sich unterdrückt. Das Land kommt nicht zur Ruhe.

Armut und Gewalt

Zwei Drittel der Bevölkerung sind extrem arm. Ohne durchgängige Stromversorgung und ordentlichen Straßenbau ist die wirtschaftliche Entwicklung schon schwer, Korruption und Kriminalität verschärfen die Lage noch. Erpressungen und Überfälle gehören zum normalen Leben. Hinzu kommt der Terror radikaler Islamisten, der vom Norden aus das Land durchzieht. Die Organisation „Boko Haram“ bekämpft Demokratie und Bildung, die Milizen der „Fulani Herdsmen“ dringen mordend nach Süden vor. Unzählige Gangs und Geheimgesellschaften bedrohen den Einzelnen. Die Menschen sehnen sich nach Sicherheit.

Flucht junger Menschen

Junge Menschen, überwiegend Männer und zumeist christlich, versuchen seit Jahren, einem Leben zu entkommen, welches für sie ständige Angst bedeutet und keine Perspektive bietet. Viele von ihnen schaffen es, in einem anderen afrikanischen Land Fuß zu fassen.
Wer aber in Libyen strandet, in einem der grauenhaften Lager dort, bekannt für Misshandlung, Folter und Mord, der gibt alles für die Flucht über das Mittelmeer.
Als Urlauber kennen wir seit langem gut den Anblick der Afrikaner, die an den Stränden Italiens billige Dinge zu verkaufen versuchen. Zunehmend setzen sie in den vergangenen Jahren ihren Weg fort nach Deutschland: 2017 rangierten Nigerianer mit 7.811 Erstanträgen auf Asyl an siebter Stelle der BAMF-Statistik. Ihre Bleibeperspektive wird jedoch mit etwa 20% als gering eingestuft.

„Empowerment“ als Idee

Bei den jungen Menschen setzt die Idee von Father Gerald an. Er spricht von „Empowerment“, er will Jugendliche stark machen für die Zukunft und sie von der Flucht abhalten. Auch freiwillige Rückkehrer aus Europa will er unterstützen, indem er ihnen im Rahmen seines Projekts eine Anlaufstelle bietet.
Begonnen haben wir im Januar 2018 unsere Zusammenarbeit mit der Hilfe bei der Beladung eines riesigen Schiffscontainers mit Hilfsgütern. Vom Fahrrad über den Rollstuhl bis zum Krankenhausbett wurde reichhaltig gespendet. Diese Ladung durch Zoll und Bestechungsposten hindurch bis nach Owerri zu bekommen, war eine erste niederschmetternde Erfahrung. Doch Father Gerald verliert seine Hoffnung nicht. Wir möchten ihn ermutigen.

Jetzt mithelfen!

In Owerri gibt es bislang nur ein Areal mit einem kleinen Gebäude. Hier will Father Gerald Werkstätten aufbauen, in denen junge Leute an Nähmaschinen ebenso wie an Computern geschult werden.
Einstweilen besteht seine Arbeit erst einmal aus der Organisation und Verteilung von Hilfsmitteln. Auf dem Foto ist zu sehen, wie er Reisig zur Herstellung von Besen an Frauen aus der Umgebung verteilt. Doch bald schon soll es neben den Frauen und Müttern auch junge Leute in seinem Umfeld geben.
Bei dem entstehenden Projekt sind Phantasie und Unterstützung gefragt. Wer jetzt mithandelt, kann vielleicht dabei mithelfen, ein paar junge Menschen davon abzuhalten, ihr Leben aufs Spiel zu setzen, um dann doch ohne jede Perspektive in Europa zu stranden!

Mehr erfahren, helfen & spenden!