#9 Neuerungen in der Ausbildung

Als Father Gerald diese Woche in der Nähwerkstatt vorbeischaut, freut es ihn sehr, fast alle Schülerinnen in der neuen Schuluniform anzutreffen: Grund für ein Gruppenfoto!

Neuerungen in der Ausbildung

Und die einheitliche Kleidung ist nicht die einzige Neuerung, die man jetzt eingeführt hat. Um dem Unterricht mehr Form zu verleihen, gibt es jetzt Rituale für Anfang und Ende des Schultags. Nachdem der Pfarrer auch schon mal über mangelnde Pünktlichkeit geklagt hat, mögen sie ebenso zur Disziplin beitragen wie die neue Uniform, die Identität vermittelt und ganz offensichtlich mit Stolz getragen wird. Im Raum bemerkt man weiterhin die Verhüllung der Maschinen: ob als Staub- oder Sichtschutz – leider können wir nicht jedes Detail erfahren. Auch ein Lehrbuch entsteht sukzessive. Es war bereits Teil einer ersten Prüfung, die Ende März abgelegt und zur Zufriedenheit aller gut bestanden worden ist. Kurz: Hier wird wirklich am Entstehen von Schule gearbeitet.

Berichtstätigkeit und Buchführung

Sekretär Kingsley hält einmal im Monat die wesentlichen Abläufe in einem Protokoll fest. Dies wird uns nach Deutschland geschickt, zusammen mit Quittungen, Verträgen und allem, was die Weiterentwicklung belegt. So können wir nicht nur inhaltlich das Projekt begleiten, sondern auch zusammen Buchführen. Nach der gemeinsamen Budgetplanung im Februar haben wir jetzt einen klaren Überblick:

Neu im Team: Schneiderin Esther

Auf dem Foto ist auch ein neues Gesicht zu entdecken: Zwischen dem Pfarrer und Lehrer Amaechi hat Esther Platz genommen. Sie arbeitet in den nächsten zwei Monaten mit im gleichen Raum, verfolgt aber ein Extraprojekt. In den letzten Wochen haben wir über die Distanz hinweg gemeinsam eine kleine Tasche entworfen, die Esther in wunderschöner Farbzusammenstellung nachgenäht hat.

Zweihundert solcher Taschen sollen bis zum Sommer fertig sein. Wir wollen sie kostenlos anderen Vereinen übergeben, damit sie auf Wohltätigkeitsveranstaltungen angeboten werden können. Die erzielte Spendensumme soll in
die Sozialprojekte unserer Kooperationspartner wie auch in unsere Nähwerkstatt zurückfließen. So erhalten auch die Schüler ein erstes Mal mit Einblick in „customized production“.

Bildungsarbeit auf allen Seiten

Und auch in Penzberg wird produziert. Im Berufsorientierungsprojekt „Passgenau“, durchgeführt in den Räumen vom „Familienzentrum Arche Noah“, arbeitet seit Monaten eine Gruppe Jugendlicher an der Entwicklung eigener Schnitte. Sie werden mit den Stoffen umgesetzt, die Father Gerald im letzten Sommer mitgebracht hat. Ob es tatsächlich gelingen kann, hier eine Kooperation zwischen den Kontinenten aufzubauen, muss sich noch herausstellen. Das Interesse der deutschen Schüler ganz speziell an Nigeria aber ist allemal gewachsen.

Nigeria nach den Wahlen

Und dort ist die Situation auch nach den Wahlen nicht einfacher geworden. Denn geändert hat sich nichts, Buhari regiert weiter. Erst liefen die – kurzfristig um eine Woche verschobenen – Präsidentschaftswahlen chaotisch ab und kosteten etlichen Menschen das Leben. Und zwei Wochen später kam es auch bei den Gouverneurs- und Regionalwahlen zu Unregelmäßigkeiten und Gewalt. Der Pfarrer hat hierzu einen Bericht abgefasst, in dem er sich verhalten äußert: vielerorts kamen die Wahlunterlagen erst mit Verspätung an, an manchen Stellen funktionierten die Lesegeräte für die Wahlkarten nicht. Auch Stimmenkauf war zu beobachten, die Leute bekamen dafür bis zu 5.000 Naira, d.h. ca.12 Euro.

Man kann also froh sein, wenn im Mikrokosmos einer winzigen Ausbildungsstätte junge Menschen gut aufgehoben sind. Zu den längerfristigen Plänen des Pfarrers bezüglich Schaffung einer ganzen Berufsschule haben wir in den letzten Tagen einen Bericht an unseren Entwicklungsminister geschickt, dies in der Hoffnung auf Rat zur Gebäudesanierung.

Unsere Wirkungsmöglichkeit dagegen liegt im kleineren Maßstab. Wenn etwa jemand aus dem Empfängerkreis kleine Taschen benötigt…..

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